Marketing und soziale Verantwortung der Clubs

HankBloomberg
HankBloomberg
Natürlich ist es klar, dass Adidas daran interessiert ist, aus einst lokalen Sportvereinen Weltmarken zu schaffen. So wie es etwa Jan Runau im Interview erzählt (https://abseits.football/kart/52ceca6b-61a8-4e80-81dc-a8549d687480). Gerade bei Mannschaften wie Bayern-München ist das für Adidas im doppelten Sinne interessant, da diese auch 8,33 Prozent an der FC Bayern-München AG besitzen (neben Audi und Allianz). Je grösser der Markt, desto mehr Bekanntheit, desto mehr Gewinn. Ja, logisch! Aber wie weit darf das gehen? Ist es etwa in Ordnung, wenn Bayern-München ihr Trainingslager in Qatar machen, um die Marke zu stärken oder etwa um die international starke Marke für Sponsorendeals mit dem Flughafen in Qatar zu nutzen? Besonders brisant wird dies, wenn man weiss, wie die Menschenrechtssituation da aussieht? Über dieses Thema und allgemein über die Verantwortung, die Clubs als globale Marken haben (etwa auch, wenn sie mit UNICEF werben), möchte ich gerne mit euch diskutieren...

Kommentare

  • AndreasPoll
    AndreasPoll
    @HankBloomberg: wie ist denn deine Meinung dazu?
  • HankBloomberg
    HankBloomberg
    Ich bin der Meinung, dass Fussballklubs eine soziale Verantwortung gegenüber der Gesellschaft haben, in der sie wirkmächtig sind – bin mir aber bewusst, dass sich darüber streiten lässt und würde das auch gerne tun(!). Je grösser und international bekannter also die Marke eines Vereins ist, desto mehr muss darüber nachgedacht werden, wie die Werte, die der Fussball mit sich bringt, dorthin transportiert werden, wo eben diese Marke bekannt ist.

    Was aber sind die Werte des Fussballs? Demokratie? Menschenrechte? Inklusion? Gleichberechtigung (Mann/Frau, Homo/Hetero, Ausländer/Einheimische)? Ich würde behaupten, dass bei all diesen Werten im Fussball Defizite bestehen (an denen dringend gearbeitet werden muss). Das bedeutet aber keinesfalls, dass durch diese Defizite die Werte nicht eben elementar zum Fussball dazu gehören und vertreten werden sollten.

    Ich bin ganz klar der Auffassung, dass diese (ausbaubare) Liste untrennbar mit dem Fussball – und dem Sport im allgemeinen – verbunden ist, so wie er hier in Europa gespielt und vermarktet wird. Warum? Weil (Liga-) Fussball auf diese Werte angewiesen ist. Somit sollten sich die Vereine (sowie die UEFA) verpflichtet fühlen, diese Werte auch nach aussen zu tragen und gegenüber der Öffentlichkeit einfordern.

    Was bedeutet das etwa dafür, wenn Bayern-München in Katar ein Trainingslager durchführt oder der Airport Doha (der Katar gehört) zum neuer Platinpartner wird? Die Interessen beider Seiten scheinen klar: Auf seiten Bayerns erklärte Rummenigge: „Diese Partnerschaft ist ein weiterer Schritt in unserer Internationalisierungsstrategie.“ Ebenfalls bietet Katar wohl die weltbeste Trainingsanlage im Fussball.

    Die Interessen Katars bringt Christof Gertsch von der NZZ auf den Punkt: „Sport ist in vielen Ländern der Welt [...] ein politisches Mittel [...]. Aber in Katar ganz besonders. Erstens sollen die ungesund lebenden Katarer zum Sporttreiben animiert werden, weil nur ein leistungsfähiges Volk die Erwartungen der Herrscher erfüllen kann. Zweitens dient der Sport als Motor, um Infrastrukturprojekte […]. Und drittens, und dieser Aspekt wird vom offiziellen Katar verneint, wohl weil er der wichtigste ist, drittens sollen Anlässe wie die WM helfen, die sicherheitspolitische Situation zu verbessern. So fragil die Zustände in der arabischen Welt sind, so sehr fühlt sich Katar bedroht. Zum einen durch Iran[…], zum anderen durch den grossen Bruder Saudiarabien […].“

    Also scheint der Sport und das Engagement im Sport für Katar sicherheits-, wie gesellschaftspolitisch von grossem Wert zu sein. Das wäre dann eigentlich auch der Moment, wo Fussball von alleine politisch wird.

    Katar, das nicht gerade als Erfinder von Menschenrechte und Bekämpfer der Sklaverei bekannt ist, hat somit Interesse an einer Sportart, die auf diese Rechte eigentlich angewiesen ist. Somit muss Bayern in meinen Augen mit Katar in den Dialog treten und über diese Werte sprechen, ihnen diese Wert verkaufen. Das wurde von Seiten der Bayern auch versprochen. Rummenige erklärte, „dass wir gemeinsam soziale Projekte und den Dialog über gesellschaftspolitisch kritische Themen fördern werden“.
    Das scheint für mich ein guter Weg zu sein. Ich finde, dass man Bayern nicht daran aufhängen darf, dass sie Deals mit Katar machen. Wenn Bayern hinter den Werten steht, die sie mit der Marke Bayern-München auch verkaufen, dann sind sie aber meiner Meinung nach auch verpflichtet, diesen Dialog ernsthaft zu führen. Dass sie dies tun, so finde ich, müssen sie aber dann auch beweisen. Ich will Resultate sehen, nicht nur leere Worte! Wenn sich Katar diesem Dialog verschliesst, dann braucht Bayern die Eier, um aus diesem Vertrag auch wieder zurückzutreten.
  • Team Abseits
    Team Abseits
    @HankbloomBerg, vielen Dank für deinen Beitrag! Das ist genau was wir hier suchen. Was denken die anderen darüber?
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